Affolter-Modell®

Das Entwicklungsmodell

Über Jahre wurde das Interaktionsgeschehen bei gesunden Kindern und Erwachsenen sowie bei Menschen mit beeinträchtigter Entwicklung und mit auffälligem Verhalten beobachtet und analysiert. Der "Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung" (SNF) finanzierte während 10 Jahren mehrere Querschnittuntersuchungen und ein longitudinales Forschungsprojekt dazu (vgl. Affolter & Bischofberger 2007).

Auf der Basis dieser Analysen war es möglich, allgemeingültige Aussagen sowohl zu gesunder als auch zu gestörter Entwicklung und auffälligem Verhalten zu machen. Daraus wurde ein eigenes Entwicklungsmodell erarbeitet. Die Hauptaussagen dieses Entwicklungsmodells lassen sich folgendermassen zusammenfassen:

Gespürte Interaktionserfahrungen bei alltäglichen Problemlösungen werden als Wurzel der Entwicklung angesehen. Erst eine Ausweitung oder Neuorganisation der Wurzel ermöglicht ein Fortschreiten in der Entwicklung, d.h.: das Hervorbringen neuer Entwicklungsleistungen und -stufen. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass kein direkt-hierarchischer Zusammenhang zwischen einfacheren und komplexeren Leistungen, bzw. früheren und späteren Entwicklungsstufen besteht. In diesem Punkt unterscheidet sich dieses Entwicklungsmodell wesentlich von anderen Entwicklungsmodellen (z.B. von Teilleistungsmodellen). Es wird vielmehr angenommen, dass die Leistungen bzw. Stufen in direktem Zusammenhang mit der Wurzel (gespürte Interaktionserfahrung) stehen. So kommt das Kind im Rahmen einer unauffälligen Entwicklung ab einem gewissen Ausmass an gespürter Interaktionserfahrung zur Auseinandersetzung mit "Geschehnissen" im Alltag. Diese Auseinandersetzung ist für das Lernen und die weitere Entwicklung von grosser Bedeutung. Geschehnisse, wie sie im Affolter-Modell® beschrieben und verstanden werden, haben einen Anfang und ein Ende (Ziel) sowie eine Reihenfolge zielgerichteter topologischer Veränderungen von Gegenständen, die zum Geschehnis gehören. Innerhalb solcher Geschehnisse gibt es zwingende und nicht-zwingende topologische Veränderungen (vgl. Hofer et al. 2009).

So werden verschiedenste Störungen, angeborene wie erworbene (z.B. nach Schlaganfall und Schädel-Hirn-Trauma), in Bezug zur Gesamtentwicklung gesehen und aus dieser Sicht erklärt. Beispielsweise werden damit Störungen im sprachlichen Bereich, im (Wieder-)erwerb von Kulturtechniken, oder bei Schwierigkeiten, die eine sinnvolle Bewältigung des Alltags nicht (mehr) zulassen, als Ausdruck von umfassenderen Störungen interpretiert. Diese werden als Störungen der zentralen Organisation der Wahrnehmung bezeichnet, wobei im Mittelpunkt Störungen der taktil-kinästhetischen, intermodalen oder serialen Wahrnehmung stehen.

Die Therapiemethode

Basierend auf diesem Entwicklungsmodell wird eine Therapiemethode vertreten, die den Menschen mit einer Wahrnehmungsstörung in der gespürten Informationssuche beim Lösen alltäglicher Probleme unterstützt.

Die Methode findet Anwendung bei: